Familien und Lebensformen:
Die Datenlage erlaubt kein genaues Bild über die Vielfalt der heute existierenden Lebensformen: Single oder mit Partner, verheiratet oder in Lebensgemeinschaft, beide Partner oder einer in erster oder weiterer Ehe, ein oder beide Partner ledig, geschieden oder verwitwet, gemeinsamer oder getrennter Haushalt, mit oder ohne (eigene) Kind/er, Alleinerzieher/in, Kinder bereits ausgezogen.
Familie als System und Institution wird von den verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen unterschiedlich definiert. Der kleinste gemeinsame Nenner ist, dass mindestens zwei Generationen eine Familie konstituieren. Meist wird darunter verstanden, dass Eltern (auch Alleinerzieher/innen) mit mindestens einem Kind im gemeinsamen Haushalt leben. In der Soziologie wird der Begriff zunehmend weiter definiert und bezieht auch Verwandtenbeziehungen v.a. die zwischen Großeltern und Enkeln oder Geschwistern mit ein. Für die amtliche Statistik sind auch Ehepaare und Lebensgemeinschaften ohne Kinder Familien. Sonst spricht man hier von Lebensformen, wenn, wie in kinderlosen Partnerschaften oder bei Singles, keine Kinder vorhanden sind. Im juridischen Sinne ist ein biologisches Verwandtschaftsverhältnis familienbegründend. Ehe ist keine Voraussetzung für die Konstituierung einer Familie.
Das Leben als Kind bei den Eltern bzw. mit einem eigenen Kind ist bis heute die bis ins mittlere Erwachsenenalter vorherrschende Lebensform der Österreicher. 2007 gab es 1,426.000 Familien mit Kindern. Die insgesamt zunehmenden nicht-familialen Lebensformen kommen am häufigsten bei jungen (unter 30 Jahren) urbanen Menschen vor. Ein Leben als Single wird v.a. von älteren Frauen (meist unfreiwillig) gelebt; erst in zweiter Linie ist es eine Lebensform junger Erwachsener.
Gesellschaftliche und individuelle Einstellungen:
Familie, Partnerschaft und Elternschaft hat in Österreich wie in den anderen westeuropäischen Ländern nach wie vor einen sehr hohen Stellenwert in der Werte- und Einstellungshierarchie. Es werden aber im Zuge langfristiger Modernisierungstendenzen traditionelle Haltungen durch neue Leitmodelle ergänzt. Alleinerzieher/innen, unverheiratete Paare mit Kindern oder Stief- und Patchworkfamilien gelten heute als akzeptiert. Ebenso wird heute anerkannt, dass beide Partner berufstätig sind.
Quelle: Familie in Zahlen 2008