Die Projektaufrufe werden auf der Homepage der europäischen Kommission veröffentlicht. Kofinanzierungspartner sollten auf regionaler und lokaler Ebene gefunden werden.
DAPHNE ist ein EU-Programm, mit dem Projekte zur Verhinderung von Gewalt gegen Kinder, Jugendliche und Frauen kofinanziert werden. Die Gewaltdefinition ist sehr breit und umfasst sexuellen Missbrauch, Gewalt in der Familie, wirtschaftliche Ausbeutung, Verschleppung, Diskriminierung von Behinderten/ Migrant/-innen/ Minderheiten und mehr. DAPHNE will sowohl konkrete Gewalt verhindern wie auch Risikogruppen schützen und Gewaltopfern Hilfe anbieten. Zu diesem Zweck sollen Projekte zwischen Partnerorganisationen aus mehreren EU-Ländern durchgeführt werden, Kooperationsnetzwerke im Anti-Gewalt-Bereich gestärkt und Daten sowie best-practice-Modelle ausgetauscht werden.
Einreichen können öffentlichen oder gemeinnützigen Organisationen und Institutionen, die Kompetenz in der Arbeit mit der Zielgruppe Kinder, Jugendliche und Frauen haben und sich mit der Verhinderung und Bekämpfung von Gewalt beschäftigen. Projektpartner können aus der EU, den EFTA/EWR-Ländern (und unter Umständen auch aus Kroatien und der Türkei) kommen.
Einmal pro Jahr wird im Amtsblatt der EU sowie auf der EU-DAPHNE-Website (siehe auf dieser Seite ganz unten) ein Aufruf zur Projekteinreichung veröffentlicht: Dort werden aktuelle Schwerpunkte und Vorgangsweisen erläutert. Eingereicht wird schriftlich bei der Europäischen Kommission direkt in Brüssel. Eine Expert/-innengruppe evaluiert alle Projektanträge.
Bewertungskriterien sind Innovative Projektidee, Qualität der Projektpartnerschaft, europäischer Mehrwert sowie die Möglichkeit zur Weiterführung bzw. Weiterverwendung der Ergebnisse, u.a. DAPHNE bietet Projekten keine Voll- sondern nur eine Teilfinanzierung: bis zu 80 Prozent der Gesamtkosten, je Projekt zwischen 75.000 und 300.000 Euro pro Projektjahr.
Bei Zwölfmonatsprojekten wird 70 Prozent der geförderten Summe innerhalb von 45 Tagen nach Abschluss des Vertrages mit der Kommission überwiesen, der Rest nach Annahme des Abschlussberichts und den Abrechnungen. Bei Zweijahresprojekten wird 70 Prozent innerhalb von 45 Tagen nach Abschluss des Vertrages überwiesen, 20 Prozent nach einer zufriedenstellenden Durchführung des Projekts nach zwölf Monaten und zehn Prozent nach Annahme des Abschlussberichts und den Abrechnungen. Kofinanzierungspartner sollten auf lokaler oder regionaler Ebene gefunden werden.
Ziele von DAPHNE
- Identifizierung und Austausch von Modellprogrammen und Arbeitserfahrung.
- Durchführung von Umfragen, Studien und Untersuchungen.
- Implementierung von bewährten Methoden und Programmen zur Gewaltbekämpfung und der Behandlung von Gewalttätern.
- Förderung von Zusammenarbeit zwischen NGOs und anderen Organisationen, die sich mit Gewaltbekämpfung und Gewaltverhinderung beschäftigen.
- Entwicklung und Erprobung von Bildungsprogrammen zur Gewaltbekämpfung und dem Konfliktmanagement für den Schulgebrauch und die Einrichtungen für Erwachsenenbildung.
- Entwicklung und Erprobung von Programmen zur Behandlung von Gewaltopfern und Tätern.
- Fördern von bewusstseins- und verständnisbildenden Maßnahmen zum Thema Gewalt, damit:
- jede Form von Gewalt gegen Kinder, Jugendliche und Frauen als inakzeptabel vermittelt wird
- Opfern und gefährdeten Gruppen geholfen wird,
- Gewalttaten gemeldet werden.
Erfolgreich abgeschlossene Projekte
- "Power training" zur Gewaltverhinderung: Alternative Lösungsstrategien im täglichen Leben und in der Familie werden erarbeitet, damit Gewalt an älteren Frauen verhindert werden kann. Vier Organisationen aus drei Ländern erarbeiten gemeinsam mit Gewaltopfern ein Trainingsprogramm; eine Broschüre wird erstellt; die Bevölkerung soll auf das spezifische Problem aufmerksam gemacht werden. Projektdauer: zwölf Monate.
- Sprechen über Gewalt: Eine Radiokampagne soll Opfer sexueller Gewalt ermutigen über sexuelle Gewalt zu sprechen und professionelle Hilfe aufzusuchen, damit die Geheimhaltung gebrochen wird und dass das Sprechen darüber enttabuisiert wird. Dadurch soll der Kreis von Gewalt und Schweigen gebrochen werden. Beiträge werden auch in Foldern und Publikationen veröffentlicht. Projektdauer: 24 Monate.
- Kinder mit Lernschwierigkeiten als Zielgruppe sexueller Gewalt: Elf Organisationen aus sieben Ländern formieren ein Netzwerk, das Personen mit Lernschwierigkeiten, betroffene Familien, Anbieter sozialer Betreuungsdienste, Wissenschaftler/-innen, Gesundheitsexpert/-innen sowie Politiker/-innen aller Ebenen involviert. Daten und best-practice-Beispiele werden gesammelt, daraus wird ein Strategien-Handbuch entwickelt. Am Ende der einjährigen Projektlaufzeit steht eine gemeinsame Abschlusskonferenz.
- Trainingskonzept für gewaltauffällige Jugendliche: Einzel-, Gruppentrainings und eine Onlineberatung, dazu ein Coaching-Angebot für Eltern: das geschlechterdifferenzierte Konzept berücksichtigt, dass Mädchen in zunehmendem Maße Täterinnen sind. Um übertragbare Standards für Trainings für jugendliche Täter/-innen zu entwickeln, werden die Maßnahmen evaluiert und zusammen mit den Trainingsbausteinen Multiplikator/-innen anderer europäischer Länder zur Verfügung gestellt. Das Projekt vernetzt vier Länder. Projektdauer: 24 Monate.
- Kooperation zwischen Frauenorganisationen und Behörden zwecks Gewaltvermeidung: Neun Organisationen aus sechs Ländern tauschen Erfahrungen über koordinierte Kooperation zwischen NGOs und Behörden aus und erarbeiten einen Normenkatalog über best-practice-Erfahrungen und Kooperationsvarianten. Der Katalog soll dem Etablieren eines effizienten gesetzlichen Schutzes für Gewaltopfer dienen. Projektdauer: zwölf Monate.
- Verhinderung von Verschleppung: Neun Organisationen bilden ein multinationales NGO-Netzwerk zur Verhinderung der Verschleppung von Jugendlichen aus Roma-Gemeinden, Info- und Vorbeugungsmaßnahmen werden erarbeitet und eingesetzt. Projektdauer: zwölf Monate.
- Häusliche Gewalt gegen kleine Kinder in jungen Familien: 13 Organisationen aus drei3 EU-Ländern erheben spezielle Gewaltrisiken, entwickeln Gegenstrategien, testen den Einsatz der Helfer/-innen und erstellen ein Methodenhandbuch. Projektdauer: zwölf Monate.
- Gewalterfahrungen, Unfälle und Verletzungen von Kindern aus alkoholbelasteten Familien: Datenerhebung in zehn EU-Staaten, Datenauswertung und Datenzusammenführung in einen multinationalen Datenpool. Parallel dazu werden auf nationaler Ebene Infonetzwerke gebildet, um Präventionsvorschläge zu entwickeln. Auf einer Abschlusskonferenz werden die Ergebnisse präsentiert und Ansätze zu Intervention und Prävention vorgestellt. Projektdauer: zwei Jahre.
Dokumente und Formulare: Die Antragsformulare zur Einreichung finden Sie auf der Homepage der Europäischen Kommission: Europäische Komission