Die EU-Erweiterung und die Einbeziehung der Länder Südosteuropas in den europäischen Integrationsprozess haben wesentlich zur Stabilität sowie zum eindrucksvollen wirtschaftlichen Aufholprozess in diesen Ländern beigetragen. Während der letzten drei Jahre bis zum Einsetzen der Wirtschafts- und Finanzkrise zählte die Region mit einem durchschnittlichen BIP-Wachstum von rd. sechs Prozent (im Vergleich EU-25 rd. 3,1 Prozent) zu den am stärksten wachsenden Wirtschaftsräumen in Europa. Durch die zunehmend starke wirtschaftliche Verflechtung wurde jedoch auch die Region Opfer der globalen Krise.
Gerade in wirtschaftlich schwierigen Phasen zeigt sich wie wichtig die Verankerung in einer starken Gemeinschaft ist. Die Einbeziehung Südosteuropas in den europäischen Integrationsprozess war und ist der Motor für die dynamische Entwicklung und außerordentliche Wirtschaftsleistung der Länder der Region während der letzten Jahre. Österreich hat den EU-Integrationsprozess der Länder Südosteuropas von Beginn an unterstützt und wird sein diesbezügliches Engagement verstärkt fortsetzen.
Kroatien
- Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen (SAA) seit 1. Februar 2005 in Kraft, rechtlicher Rahmen für EU-Beziehungen bis zum EU-Beitritt
- 3. Oktober 2005: Aufnahme der Beitrittsverhandlungen
- 30. Juni 2011: Abschluss der Beitrittsverhandlungen
- Unterzeichnung des Beitrittsvertrages noch vor Jahresende 2011
- Anschließend kroatisches Referendum
- Mitte 2013: voraussichtliches Beitrittsdatum
Mazedonien
- SAA seit 1. April 2004 in Kraft, rechtlicher Rahmen für EU-Beziehungen bis zum EU-Beitritt
- Dezember 2005: Zuerkennung des Beitrittskandidatenstatus
- Empfehlung der EK zur Aufnahme von Beitrittsverhandlungen, jedoch ohne Datumsnennung
Albanien
- SAA seit 1. April 2009 in Kraft, rechtlicher Rahmen für EU-Beziehungen bis zum EU-Beitritt
- 28. April 2009: Beitrittsansuchen
- Visafreiheit seit 15. Dezember 2010
Montenegro
- SAA seit 1. Mai 2010 in Kraft, rechtlicher Rahmen für EU-Beziehungen bis zum EU-Beitritt
- 15. Dezember 2008: Beitrittsansuchen
- Dezember 2010: Zuerkennung des Beitrittskandidatenstatus
- Visafreiheit seit 19. Dezember 2009
Serbien
- SAA am 29. April 2008 in Luxemburg unterzeichnet
- 14. Juni 2010: Einleitung des Ratifizierungsprozesses der EU-MS (Österreich hat im Dezember 2010 ratifiziert)
- IA seit 1. Februar 2010 in Kraft, macht die handelsrelevanten Teile des SAA bis zu dessen Inkrafttreten anwendbar
- 22. Dezember 2009: Beitrittsansuchen
- Visafreiheit seit 19. Dezember 2009
Bosnien und Herzegowina
- SAA am 16. Juni 2008 unterzeichnet, derzeit Ratifizierungsverfahren
- Interimsabkommen (IA) seit 1. Juli 2008 in Kraft, macht die handelsrelevanten Teile des SAA bis zu dessen Inkrafttreten anwendbar
- demnächst Beitrittsansuchen
- Visafreiheit seit 15. Dezember 2010
Kosovo
- Stabilisierungs- und Assoziierungsprozess der EU (SAP) bezieht sich auch auf Kosovo
- Anleitung und Unterstützung für die Durchführung EU-kompatibler Reformmaßnahmen im Wege des "Stablisiation and Association Process Dialogue"
- Keine Vertragsbeziehungen zwischen der EU und Kosovo wegen EU-interner Uneinigkeit (nach wie vor keine Anerkennung durch SP, RO, GR, SK, CY). Einziges Land der Region ohne Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen (SAA) und Visafreiheit
Türkei
- Assoziationsabkommen bereits seit 1964 (Ankara-Abkommen)
- Anfang 1996 Zollunion zwischen EU und Türkei in Kraft (mit Beschluss des Assoziationsrates)
- 3. Oktober 2005: Aufnahme der Beitrittsverhandlungen, Führung unter voller Berücksichtigung der Aufnahmefähigkeit der EU als ergebnisoffener Prozess und in Abhängigkeit vom Fortschritt der Türkei bei der Acquis-Anpassung sowie der Erfüllung der Verpflichtungen aus dem Ankara-Protokoll
- Verhandlungen bisher schleppend
- trotz positiver Schritte bei regional- und energiepolitischen Fragen (Annäherung zu Armenien, Nabucco, Rolle im Südkaukasus, Kurdenfrage) tritt die Türkei bei Reformfortschritten auf der Stelle
Die österreichische Wirtschaft hat von der fortschreitenden EU-Integration, vor allem dank der traditionellen Handelsbeziehungen und dem rechtzeitigen Eintritt in diese Wachstumsmärkte, signifikant profitiert. Ostöffnung und fortschreitende EU-Integration haben unserer Wirtschaft starke Wachstumsimpulse gebracht. Daher ist Österreich heute wirtschaftlich so stark mit der Region verflochten, wie kein anderer EU-MS, und hat sich als bedeutender Wirtschaftspartner und Topinvestor in der Region etabliert.
Die österreichische Wirtschaft steht daher nicht nur weiterhin zu ihrem Engagement in den Märkten Südosteuropas sondern wird vielmehr alles daran setzen ihre Stellung in dieser Region weiter auszubauen.